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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Blutbildveränderungen: Diagnose

Akute Leukämie (siehe Leukämie)

Chronische Leukämie (siehe Myeloproliferative Erkrankungen)

VERÄNDERUNGEN DES WEISSEN BLUTBILDES:

Leukozytose

Definition

Vermehrung der Leukozytenzahl im Blut (> 10.000/ µl) 

Ursachen

  • Infektionen und Stress-Situationen
  • Gravidität und Geburt
  • Endokrine Störungen
  • Hormonbehandlungen
  • ZNS-Störungen
  • Systemerkrankungen
  • Neoplasien
  • Cortison-Therapie

Klinische Diagnose

Bei Vorliegen einer Leukozytose muss zunächst geklärt werden, durch welche Zellpopulation die Leukozytose zustande kommt. Während eine Leukozytose, bedingt durch eine Blastzellvermehrung, immer auf eine zugrunde liegende hämatologische Systemerkrankung hinweist, kann die Vermehrung reifer myeloischer oder reifer lymphatischer Zellen sowohl reaktiver Natur sein als auch Symptom einer hämatologischen Neoplasie.

Die Abgrenzung einer reaktiven Leukozytose von einer primären hämatologischen Systemerkrankung ist daher eines der ersten und wichtigsten Ziele einer entsprechenden Abklärung.

Während eine Vermehrung von Lymphozyten im Kindes- und Jugendalter in der Regel als Ausdruck reaktiver Veränderungen im Rahmen eines Virusinfektes auftritt (oft infektiöse Mononukleose!), sprechen Lymphozytosen bei älteren Menschen fast stets für das Vorliegen eines ausschwemmenden Non-Hodgkins-Lymphoms.

Durch den immunphänotypischen Nachweis eines reifen B-Zell-Klons lässt sich häufig ohne weitere invasive Maßnahmen die Vermutungsdiagnose eines Non-Hodgkin-Lymphoms erhärten.

Bei einer reaktiven Vermehrung neutrophiler Granulozyten (Neutrophilie) muss unterschieden werden zwischen

  • akuterreaktiver Leukozytose
  • chronischer reaktiver Leukozytose

Ursachen einer akuten reaktiven Leukozytose

  • akute Infektionen
  • Trauma
  • Stress
  • Hämolyse

Ursachen einer chronischen reaktiven Leukozytose

  • Raucherleukozytose
  • medikamentös bedingte Leukozytosen (Steroide, Lithium, Zytokine)
  • solide Tumoren
  • Abszesse
  • Splenektomie
  • chronisch idiopathische Neutrophilie

 

Infektbedingte Leukozytosen gehen üblicherweise mit den Zeichen einer Akutphase-Reaktion einher (erhöhte Blutsenkung, erhöhtes CRP, erhöhtes Alpha-2 und erhöhtes Fibrinogen) und sind dadurch von Leukozytosen im Rahmen myeloproliferativer Erkrankungen meist leicht abzugrenzen.

Bei ausgeprägter reaktiver Leukozytose über 50.000 spricht man von einer leukämoiden Reaktion.Derartige Reaktionen treten bei malignen Tumoren, aber auch bei schweren Infektionen, wie z. B. disseminierter Tuberkulose, auf.

 

Leukopenie

Definition

Eine Leukopenie liegt bei einer Leukozytenzahl unter 4.000/ µl vor.

Eine Leukopenie kann bedingt sein durch

  • eine Verminderung von Lymphozyten → Lymphopenie 
  • eine Verminderung von neutrophilen Granulozyten → Neutropenie.

Häufigste Ursache einer schweren Lymphopenie ist die HIV-Infektion.

Isolierte Neutropenien sind selten Ausdruck einer hämatologischen Systemerkrankung und erfordern daher in der Regel keine akute Abklärung mittels Knochenmarkpunktion.
Neutropenien sind häufig durch Medikamente induziert.

Bei medikamenteninduzierter Neutropenie muss unterschieden werden zwischen

 

Bei fehlender Medikamentenanamnese müssen in erster Linie Infektionen oder Autoimmunerkrankungen als potentielle Ursachen erwogen werden.

Ursachen einer Leukopenie

Medikamente
  • Albendazol
  • Azathioprin
  • Chloroquin
  • alpha-Interferon
  • Isoniazid (INH)
  • Leflunomid
  • Methotrexat (MTX)
  • Mitotane
  • Mycophenolatmofetil
Erkrankungen

Kongenitale Leukopenie

  • Lupus erythematodes disseminatus (LED)
  • Malaria
  • Paratyphus
  • Splenomegalie
  • Typhus abdominalis
  • Virusinfektionen

 

Allergische Agranulozytose (Pyrazolontyp)

Definition

Hochsymptomatisches Krankheitsbild, bei dem es zu einer immunologisch bedingten Zerstörung von Granulozyten kommt (Haptenmechanismus oder Bystanerlyse).

Medikamente, die am häufigsten mit der allergischen Agranulozytose in Verbindung gebracht werden

  • Aminopyrin
  • Novaminsulfon
  • Phenylbutazon
  • Goldpräparate
  • Thyreostatika
  • Chloramphenicol
  • Sulfonamide

Langsam einsetzende Neutropenie (Phenothiazintyp)

Bei der langsam einsetzenden Neutropenie (Phenothiazintyp) kommt es erst dann zu Symptomen, wenn aufgrund einer ausgeprägten Neutropenie Infekte auftreten (neutrophile Granulozyten nehmen eine zentrale Stellung im Immunsystem bei der Abwehr von Mikroorganismen ein, daher begünstigt ein Mangel das Angehen von Infektionen).

 

Thrombozytose

Definition

Vermehrung der Thrombozytenzahl im Blut (> 450.000/µl), entweder als reaktive Blutbildveränderung im Rahmen einer Blutungsanämie, bei Entzündungen, Infektionen, Splenektomie und gewissen Tumorerkrankungen, oder als Ausdruck einer gesteigerten Zellproliferation bei einer myeloproliferativen Erkrankung.

Die gleichzeitige Erhöhung von Akutphase-Parametern spricht in der Regel für das Vorliegen einer reaktiven Thrombozytose.
Unklare Thrombozytosen können hin und wieder Erstmanifestationen einer chronisch myeloischen Leukämie sein. Aus diesem Grund ist in solchen Fällen mittels molekularbiologischer Methoden auf das Vorliegen einer bcr-abl-Translokation zu untersuchen.
Die Unterscheidung zwischen einer reaktiven Thrombozytose und einer Thrombozytose im Rahmen einer myeloproliferativen Erkrankung ist deshalb wichtig, weil eine reaktive Thrombozytose üblicherweise zu keinem erhöhten thromboembolischen Risiko führt und daher auch nicht behandlungsbedürftig ist.

 

Thrombozytopenie (Syn.: Thrombopenie)

Definition

Verminderte Zahl der Thrombozyten (<150.000/µl).

Einer isolierten Thrombopenie mit normalem Differenzialblutbild liegt, ähnlich wie der isolierten Neutropenie, nur selten eine maligne hämatologische Systemerkrankung zugrunde. Aus diesem Grund erfordert eine isolierte Thrombopenie für gewöhnlich keine akute Abklärung mittels Knochenmarkpunktion.

Man unterscheidet bei Thrombopenien

  • akute idiopathische Thrombopenie (ITP)
  • chronische idiopathische Thrombopenie
  • heparininduzierte Thrombopenie (HIT), Typ I und Typ II

 

Die Pathogenese der akuten ITP ist fast immer eine immunologische, wobei postinfektiöse, medikamentöse und posttransfusionelle Immunmechanismen eine Rolle spielen.
Klinisch ist die akute ITP meist durch eine erhebliche Blutungsneigung, aber auch durch eine hohe Spontanremissionsrate gekennzeichnet.

Die chronische ITP (Thrombopenie länger als 6 Monate) weist meist keine schwere Blutungsneigung auf, Spontanremissionen sind selten.

Bei der heparininduzierten Thrombopenie (HIT) muss der nicht immunologisch bedingte Typ I von dem immunologisch bedingten Typ IIabgegrenzt werden, der neben einer Blutungsneigung vor allem zu thromboembolischen Komplikationen führen kann.
Die Inzidenz der HIT-TypIIist wesentlich geringer bei Verwendung niedermolekularer Heparine.
Die Diagnose wird dabei durch den typischerweise nach 5 - 10 Tagen einsetzenden Thrombozytenabfall nach Heparingabe sowie durch den positiven Nachweis von Heparin/PF-4-Antikörpern gestellt.
Weitere Differenzialdiagnosen der mehr oder weniger isolierten Thrombopenie umfassen Zustände mit gesteigertem Thrombozytenpooling in der Milz, wie Leberzirrhose und Milzvenenthrombose.

 

VERÄNDERUNGEN DES ROTEN BLUTBILDES:

Polyglobulie

Definition

Vermehrung von Erythrozyten, Erhöhung der Hämoglobinkonzentration und des Hämatokritwertes.

Da eine primäre Polyglobulie bei Polyzythämia vera (siehe Myeloproliferative Erkrankungen) häufig zu reversiblen oder irreversiblen Zirkulationsstörungen führt, während bei einer sekundären Polyglobulie derartige Komplikationen viel seltener auftreten, ist eine Unterscheidung zwischen primärer (bei Polyzythämia vera) und sekundärer Polyglobulie aus therapeutischer Sicht von großer Bedeutung.

Ursachen einer sekundären Polyglobulie

  • Stresspolyglobulie
  • Hypoxie bei chronischen Herz- und Lungenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Tumoren (Hypernephrom und Leberzellkarzinom)
  • Androgentherapie
  • Bartter-Syndrom
  • Familiäre Erythrozytose
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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 12:08